Zimmer Frei





Richard Dedekind (1831-1916)


Hans Zincke genannt Sommer (1837-1922)


Johannes Trojan (1838-1915)


Friedrich Kohlrausch (1840-1910)


Friedrich Leo (1851-1914)


Georg Puppe (1867-1925)


Werner Hofmeister (1902-1984)

Richard Dedekind (1831-1916)

Der Begründer der Idealtheorie

Richard Dedekind promovierte 1852 bei C.F. Gauss in Mathematik und wirkte von 1862 bis zu seiner Emeritierung am Polytechnikum der späteren TH in Braunschweig. Er gilt bis heute als einer der größten und originellsten Mathematiker Deutschlands. Am 15.Dezember 1850 wurde Dedekind Brunsvige.

Seine Arbeiten, mit denen er die sogenannte "Idealtheorie" begründete, führten zu einer modernen Epoche der Analysis, das heißt zur kritisch-logischen Genauigkeit in der Infinitesimalrechnung. Dedekind leistete damit ähnliches wie sein Lehrer Gauss, jedoch gemäß den veränderten, gestiegenen Anforderungen an die Analysis in der 2.Hälfte des 19.Jahrhunderts.

Richard Dedekind hielt sich, wie es seinem Wesen entsprach, stets ein wenig zurück; er war kein "flotter Student", wie Hans Zincke schreibt. Unbedingte Geradlinigkeit und Charakterfestigkeit waren seine hervorstechendsten Eigenschaften. So milde er anderen gegenüber war, so streng war er, wenn es um Beurteilungen oder Grundsätze ging. Mit seinem engen Freund Hans Zincke z.B. ließ er sich nicht auf ein Gespräch über Richard Wagner ein, da er dessen Musik strikt ablehnte. Statt dessen ging er freundlich lächelnd fort und ließ den Diskutanten stehen.

Dedekind wurde vielfach geehrt. Er war Mitglied der Akademien der Wissenschaften von Berlin, Göttingen, Paris und Rom. Die Würde eines Ehrendoktors verliehen ihm die Universität Christiania (Oslo), die ETH Zürich und die TH Braunschweig.

Hans Zincke genannt Sommer (1837-1922)

Hochschullehrer, Komponist, Gründer der GEMA

In der Person Hans Zinckes genannt Sommer (1837-1922) vereinigen sich scheinbar gegensätzliche Pole wissenschaftlichen und kulturellen Lebens des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Er beeinflusste mit seinen mathematischen Arbeiten die Geschichte der Photooptik und erlangte ebenso Bedeutung als erster Direktor der Technischen Hochschule "Carolo Wilhelmina" in Braunschweig wie als Musikwissenschaftler und Opernkomponist.

In die Brunsviga trat Hans Zincke am 18.Juni 1854 ein, im Sommersemester 1856 war er Schriftwart und Kassenwart (Zweitchargierter). Freundschaftlich verbunden war er insbesondere mit seinen Bundesbrüdern Richard Dedekind, Rudolf Gaedechens und Johannes Trojan. Enge Kontakte unterhielt er zu den führenden Musikern seiner Zeit, zu Brahms, Liszt, Richard Strauss, Richard Wagner und Engelbert Humperdinck.

Sein historischer Verdienst ist sein unermüdlicher, kämpferischer Einsatz für die rechtlichen und sozialen Belange der Komponisten; er wurde auf diesem Gebiet die Autorität schlechthin. Auf Vorschlag von Richard Strauss wurde Hans Sommer 1898 zum Gründungsvorsitzenden der "Genossenschaft Deutscher Komponisten" gewählt, der Vorgängerin der heutigen GEMA.

Johannes Trojan (1838-1915)

Dichter, Satiriker, "Knastbruder"

Johannes Trojan arbeitete seit 1862 für die bedeutendste satirische Zeitschrift der Zeit, den Berliner "Kladderadatsch". Von 1886 bis 1909 war er der Chefredakteur des Blattes, eine Zeit, in der man sich von einer linksliberalen hin zu einer eher nationalliberalen Ausrichtung entwickelte. 1898 wurde er als redaktionell Verantwortlicher wegen Majestätsbeleidigung inhaftiert, was er in seinem Buch "Zwei Monate Festung" satirisch behandelte. Später trat Johannes Trojan auch als Dichter und Verfasser von Kinderliedern hervor, die in allen Kreisen Deutschlands überaus beliebt waren.

Witz und Sinn für Satire hatte er schon als Redakteur der Bierzeitung der Brunsviga, der er am 8.Mai 1856 beigetreten war, vier Semester lang unter Beweis gestellt. Schon damals machte er sich über die deutsche Vereinsmeierei lustig, als Vertreter eines spaßigen "realistisch-idealistischen Vereins" hielt er bombastische Reden. Johannes Trojan hat bis zu seinem Lebensende treu zur Brunsviga gestanden. Er pflegte regen Kontakt zu vielen Bundesbrüdern, insbesondere mit seinen Freunden Adolf Ey und Hans Zincke gen. Sommer, und stand im Mittelpunkt der in Berlin ansässigen Brunsvigen.

Sein Gedicht "Abschied" ist Ausdruck seiner Sehnsucht nach der Göttinger Zeit und eine Huldigung an die Brunsviga. In ihm heißt es:

"Wohl drängt sich vieles in mein Herz hinein,
Doch denk‘ ich an dies eine nur allein,
Daß ich von Dir Brunsviga, scheiden muß.
Das hat mein Herz so traurig heut bewegt,
Daß ich Dich lassen muß im fremden Lande.
Denn dieses Herz war dein, solang es schlägt,
So wie es dein war unter deinem Bande."

Friedrich Kohlrausch (1840-1910)

Ein bedeutender Physiker

Auch heute noch ist das Lehrbuch "Praktische Physik", das aus Friedrich Wilhelm Georg Kohlrauschs "Leitfaden der praktischen Physik" hervorgegangen ist, ein Standardwerk für Physiker und Techniker. Dies insbesondere wegen der ausführlichen Darstellung der Präzisionsmessmethoden, welche die Basis für technische und experimentelle Zwecke in den verschiedensten Bereichen der Physik bilden. Für die Brunsviga ist er ein bleibendes Vorbild, das wie kaum einer anderer in seiner persönlichen Haltung und in seinem Wirken die burschenschaftlichen Ideale und das Wissenschaftsprinzip der Brunsviga in sich vereinigte.

Richtungweisend waren Kohlrauschs Leitfähigkeitsmessungen an Elektrolyten, seine Arbeiten zur Bestimmung magnetischer und elektrischer Grundgrößen sowie die Verbesserung der entsprechenden Messtechniken. Unter seiner Leitung schuf die Physikalisch-Technische Reichsanstalt – vor allem auch, indem sie Grundlagenforschung betrieb – zahlreiche Normale und Eichstandards, die über Deutschland hinaus international Verwendung fanden. Zahllose Ehrungen bis zum Orden Pour le Mérite wurden ihm zuteil.

In Göttingen, wo er seit Herbst 1858 bei Wilhelm Weber studierte, fand Kohlrausch bald nach Beginn seines Studiums Anschluss an die Brunsviga. Kohlrausch selbst beschreibt diese als "einen Kreis (...), dessen Mitglieder es verstanden, mit einem flotten akademischen Leben die ernsten Zwecke der akademischen Zeit zu verbinden". Denn: "Wer nur sein Fach studiert und damit seinen Umgang auf Fachgenossen beschränkte, hat seine Universitätsausbildung nicht mit herausgenommen ins Leben."

Friedrich Leo (1851-1914)

Ein herausragender Gelehrter der Kaiserzeit

Friedrich Leo gehört zu den herausragenden und prägenden Gelehrten der Klassischen Altertumswissenschaftes des ausgehenden 19.Jahrhunderts. Aktiv geworden ist Friedrich Leo am 23. Januar 1869, im Wintersemester 1869/70 war er Zweitchargierter, im Sommersemester 1870 Sprecher der Burschenschaft. Sein Studium der Klassischen Altertumswissenschaften absolvierte er in Göttingen und Bonn. Nach Stationen als Extraordinarius in Kiel, einer ordentlichen Professur in Rostock und einem Ordinariat in Straßburg, war Leo von 1889 bis zu seinem Tod Professor an der Georgia Augusta, davon 1903 als deren Prorektor.

Mit seinen Werken zur römischen Metrik und der römischen Literaturwissenschaft fasste er zum ersten Mal systematisch eigene und Forschungen anderer Gelehrter zusammen und gewährte einen umfassenden Überblick über den Sachbereich. Er gilt als einer der wichtigsten Kompilatoren römischer und griechischer Autoren, mit Hilfe seiner Hermeneutik gelang es, aus den herrschenden Formen der Textanalyse auf einen globalen Zusammenhang von Dichter, Werk und "Botschaft" vorzustoßen.

In einem wissenschaftlichen Nachruf aus der Hand des Philosophen Max Pohlenz finden sich folgende Gedanken zum "Roten Braunschweiger" Friedrich Leo: "Er wurde Mitglied der Burschenschaft Brunsviga, bei der er die Pflege des vaterländischen Gefühls am stärksten betont fand. Ein kurzer Bericht, den Leo für die Geschichte seiner Burschenschaft 1873 verfasst hat, zeigt deutlich, welche Freude es ihm machte seine Kräfte in den Dienst des Ganzen zu stellen, wie er als Sprecher bemüht war, das innere Leben seiner Verbindung zu vertiefen, wie er aber mit seinem Sinn für das historisch gegebene auch die Äußerlichkeiten des Couleurlebens schätzte. Auch auf Mensur stellte er seinen Mann, und eben sollte er sich mit dem besten Fechter der Corps messen, da mußten beide die Klinge mit einer anderen Waffe vertauschen."

Georg Puppe (1867-1925)

Wegbereiter der modernen Sozialmedizin

Georg Puppe, der am 14.April 1887 in der Brunsviga aktiv wurde, war nicht nur ein Wegbereiter der modernen Gerichts- und Sozialmedizin in Deutschland, sondern auch ein überzeugter und überaus engagierter roter Braunschweiger, der unseren Bund prägte.

Nach seiner Promotion zum Dr.med. in Berlin war Georg Puppe zunächst in Anstalten und Kliniken praktisch tätig, bevor er seine erste Professur in Gerichtsmedizin in Königsberg erhielt. Die Entstehung einer präventiven Sozialmedizin trieb er ab Beginn der 20er Jahre von Breslau aus voran, wo er 1925 zum Dekan der Medizinischen Fakultät berufen wurde. Neben Beteiligung im Gesetzgebungsprozess und der Publikation zahlreicher Beiträge Lehrbücher war er Gründungsvorsitzender der späteren "Deutschen Gesellschaft für Gerichtliche und Soziale Medizin" und Mitherausgeber der "Zeitschrift für die gesamte Gerichtsmedizin". Sein früher Tod war ein schmerzhafter Verlust für die Gerichts- und Sozialmedizin in Deutschland.

In der schwierigen Zeit der späten 1880er war Georg Puppe eine wesentliche Stütze des Bundes. Er war maßgeblich am Wiedererstarken der Brunsviga nach einer zweijährigen Vertagung beteiligt, was sich auch in der Übernahme des Verbandsvorsitzes im Allgemeinem Deputierten Convent (ADC), dem Vorgänger der Deutschen Burschenschaft, im Jahr 1890 niederschlug. Im Namen der Brunsviga initiierte Puppe den Bau des Burschenschafterdenkmals in Eisenach und betrieb den Zusammenschluss zum Roten Verband. Bis zu seinem Lebensende war Georg Puppe ein begeisterter Brunsvige, er versäumte kein Stiftungsfest. Bei der akademischen Trauerfeier lagen auf dem Sarg neben seinem Professoren-Barett Band und Mütze seiner Brunsviga. Für das Personalverzeichnis des Bundes schrieb er:

"Ich bin ein Brunsvige bis in Ewigkeit".

Werner Hofmeister (1902-1984)

Vater des Grundgesetzes und der Niedersächsischen Verfassung

Nur wenige Politiker haben sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene so entscheidend auf die Gestaltung der Nachkriegsverfassung Einfluss genommen, wie Werner Hofmeister. Er war eines der jüngsten Mitglieder des Parlamentarischen Rats und wurde einer der "Väter" des Grundgesetzes von 1949.

Als Mitglied der nationalliberalen Deutschen Volkspartei wurde der promovierte Jurist 1933 aus dem Staatsdienst entlassen. Von April 1947 bis 1967 war er in fünf Legislaturperioden Mitglied des niedersächsischen Landtages für die CDU. Von 1955 bis 1957 war er Landtagspräsident des niedersächsischen Landtages, im zweiten Kabinett von Hinrich Wilhelm Kopf (SPD) und zwischen 1957 und 1959 war er Justizminister, danach Oppositionsführer und CDU-Spitzenkandidat für das Ministerpräsidentenamt 1959. Als Vorstand des Verfassungsauschusses und als rechtspolitischer Sprecher seiner Fraktion hat er die Entstehung der niedersächsischen Verfassung von 1951 erheblich beeinflusst. Von 1959 bis zu seinem Ausscheiden aus dem Parlament war er Erster Vizepräsident des Landtages und Vorsitzender des Geschäftsordnungsausschuss. Werner Hofmeister war maßgeblich an der Konstruktion des Niedersächsischen Staatsgerichtshofs beteiligt und richtete nach amerikanischem Vorbild einen parteipolitisch neutralen Gesetzgebungs- und Beratungsdienst für Landtagsabgeordnete ein. Um das Land Niedersachsen hat er sich in der so bedeutenden Aufbauphase höchst verdient gemacht; er war ein Politiker der ersten Stunde.

Werner Hofmeister gehörte dem Altherrenvorstand der Brunsviga von 1947 bis 1973 an und war Hauptauschussmitglied der Deutschen Burschenschaft seit 1949. Sehr eindringlich hatte er gegen die Aufnahme der österreichischen Burschenschaften in die DB gewarnt, da Streit und Zwietracht die Folge wären und die Ansichten der liberalen Bünde kein Gehör mehr fänden. Dies sollte sich in den Folgejahren bestätigen. Auf dem Stiftungsfest 1954 erhielt Werner Hofmeister für seine großen Verdienste um unsere Burschenschaft das Ehrenband der Brunsviga.